Nachhaltige Stadtplanung: Stadt, Land, Recht?

nachhaltige Stadtplanung in Sheffield

ein Kommentar über nachhaltige Stadtplanung von Philipp Charaoui

Die Stadt ist ein Raum in denen viele Menschen zusammentreffen und wo es jede Menge gesellschaftliche Herausforderungen gibt. Dazu gehören Gesundheit, Verkehr, Kriminalität und Klimawandel. In Europa stehen letztlich alle Städte vor ähnlichen Aufgaben, die nur in Kooperation angepackt werden können. Welche Rolle der Europarat in dieser Hinsicht einnimmt, berichtet dieser Artikel.

Ein wichtiges Dokument

Am besten wir betrachten erstmal eine dieser Herausforderungen, wie in Europa Städte entwickelt werden, die alle Bedürfnisse jener Bewohner:innen berücksichtigen. Der Europarat hat hierfür eine Charta verfasst, die jede Menge Einfluss auf alle Vertreterinnen europäischer Staaten übt. Diese Urban Charta hat ein Ziel: grundlegende Rechte auf Stadt für den einzelnen Stadtbewohner:innen, also dich, festzulegen. Solche Rechte in einer solchen Urkunde stellen die Grundausrichtung der gesamt-europäischen Politik dar, sind also wichtig und sehr einflussreich. In diesen Rechten ist vor allem ein Punkt entscheidend, das Recht auf Mitbestimmung – nicht wohin die Stadt der Zukunft gehen soll, sondern wie. Dabei darf jede:r mitmachen. Mitbestimmung ist das Grundprinzip von Demokratie. Demzufolge überrascht es nicht, dass gerade der Europarat als unabhängiger Botschafter von Demokratie und Menschenrechten, dieses Grundrecht für die nachhaltige Stadtplanung gesetzt hat.

Und, wo sitzt du gerade? Bestimmt bist du in einer Wohnung, in einem Haus? Wo auch immer, wahrscheinlich in einer Stadt. Wahrscheinlich sitzt du dort, weil in Europa laut The World Bank über 70% der Bevölkerung in der Stadt leben, Tendenz steigend. Dort kann man Einkaufen gehen, irgendwas studieren, hippe Cafés erkunden, Museen besuchen, Essen bestellen, Gyms frequentieren, Wohnungen anschauen, Gotteshäuser betreten und so weiter. Das alles kann man in der Stadt tun, wo es Gehsteige gibt, auf denen tagtäglich ein Querschnitt Gesellschaft unterwegs ist und wo hinter jeder hässlichen Blockfassade, jedem umzäunten Vorgarten oder jeder bunt dekorierten Schaufensterecke eine Herausforderung liegt. Die städtischen Herausforderungen sind vielfältig, so vielfältig wie die Gesellschaft auf den Gehsteigen und demokratisch anzugehen, Schritt für Schritt, als Bürger:in, als Stadtrat, als Europarat – wie soll das funktionieren und welche Herausforderungen sind das überhaupt?

Ein europäischer Stadtrat


Die Theorie ist wichtig, aber sind wir mal ehrlich, viel spannender ist die Praxis. Umgesetzte Mitbestimmung für jede:n muss ja verdammt komplex zu organisieren sein, oder? Muss nicht sein und du hast damit bestimmt schon selbst Erfahrungen gemacht. Als Wähler:in kannst du auf städtischer und regionaler Ebene deine Vertreter:innen wählen, die dann am besten deine Ideen vertreten und direkt im Stadtrat mitwirken. Außerdem wirken ja jede Menge anderer Gestalter:innen in deinem Viertel mit, sowas wie Quartierbüros, zum Beispiel. Diese Gestalter:innen müssen zusammenarbeiten, damit sich etwas tut. Wie beispielsweise beim nachhaltigen Bauen. Dazu müssen sie sich austauschen. Über die Baumaterialen, Firmen, Möglichkeiten…Logisch? Das passiert im Stadtrat, aber eben auch in einem Organ des Europarats, der praktisch wie ein europäischer Stadtrat funktioniert.

nachhaltige Stadtplanung? Wohnungsbau in Berlin Mitte
Wohnungsbau in…
nachhaltige Stadtplanung? Wohnungsbau in Berlin Mitte
….Berlin-Mitte

Eine vorteilhafte Zusammenarbeit


Dieser europäische Stadtrat nennt sich Kongress der lokalen und regionalen Autoritäten des Europarats und besteht aus jeder Menge Bürgermeister:innen, Stadträt:innen, Stadtplaner:innen und Menschen, die in unserem Auftrag Städte gestalten. Genau dieser bunte Haufen an Expert:innen kann sich dort austauschen, bei dem Kongress oder durch geknüpfte Kontakte. Der große Vorteil ist, dass der Kongress aus Expert:innen ganz Europas besteht, und damit aus viel mehr Mitgliedern als ein einfacher Stadtrat. Ein anderer Vorteil ist, dass nicht alle aus dem gleichen Land kommen und so die Teilnehmer:innen unterschiedliche Blickwinkel haben, die sich gemeinsam zu einem großen Sichtfeld ergänzen. Im Beispiel zum nachhaltigen Bauen, kann eine Stadt in den Niederlanden schon gute Erfahrungen gemacht haben und kann dann das Architektenbüro an den Bürgermeister von Düsseldorf weiterempfehlen. Das ist Kooperation.

Die Stadtziele der Zukunft
für eine nachhaltige Stadtplanung


Was sind aber die wichtigen Themen, für sie sich unsere Vertreter:innen einsetzen? Sind sie vielseitig, innovativ oder altbacken rückwärtsgewandt?

Ein aktueller Punkt ist E-Demokratie, also dass du ganz einfach deiner Stadt auf Instagram folgen kannst und weißt was wo passiert und warum, oder dass du live Stadtratssitzungen streamen kannst.

Oder, dass LGBTI-Menschen problemlos am lokalen Wahlkampf teilnehmen können.

…dass Flüchtlinge in Städten integriert und nicht ausgebeutet werden.

…dass häusliche Gewalt und Kindesmissbrauch gestoppt werden.

…dass der Autoverkehr in Städten reduziert wird und die Straße wieder den Fußgängern gehört.

…dass Denkmalgeschüztes nicht abgerissen wird, aber auch, dass Fortschritt beim Bau passiert.

…dass jede:r eine freie Wahl bei der Wohnungssuche hat und keine überhöhten Mieten zahlen muss.

…dass Kriminalität und Drogenmissbrauch reduziert werden.

…dass es eine gute Verkehrsanbindung gibt, die nicht zu teuer ist.

…dass Kultur gefördert werden muss, denn sie ist der Ursprung für Innovation.

…dass das Gesundheitswesen jede:n Stadtbewohner:in erreicht.

…dass Unternehmen und wirtschaftlicher Wachstum mit zur Stadt gehören.

…dass Städte nachhaltig mit Energie wirtschaften. Nachhaltige Stadtplanung.

Insgesamt gibt es 20 topaktuelle Ziele, die in den 90er Jahren festgelegt wurden und jeden betreffen. Ganz danach werden dann aktuelle Entwicklungen und Bedürfnisse miteinander gesammelt und in Resolutionen ergänzt. Dazu gibt es auch Sondersitzungen, wenn es mal brennt. So zum Beispiel in Bezug auf Corona, da haben die ganzen Vertreter:innen einen Leitfaden für Städte entworfen und es wird sich regelmäßig miteinander ausgetauscht.

Jetzt klingt das ja alles schön und gut, eine fancy Erklärung kann ja jede:r schreiben, aber das heißt nicht, dass auch etwas passiert, oder?

nachhaltige Stadtplanung SDG 11
Eines der Nachhaltigkeitsziele für nachhaltige Stadtplanung. klicke, um auf das SDG-Portal zu gelangen.

Nachhaltige Stadtplanung.
Ein sinnvolles Messinstrument


Normalerweise werden in Städten jede Menge Daten erfasst. So weiß jede Stadt, wer dort wohnt, wie hoch der Frauenanteil im Stadtrat ist und wie viel Strom aus Windkraft pro Kopf erzeugt wird. Diese Daten kann jede:r selbst anschauen und sehen, wo es in der Stadt noch Verbesserungsbedarf gibt. Genau so die Bürgermeister:innen. Die Übersicht ist von den Vereinten Nationen, in die sogenannten Nachhaltigkeitsziele, oder SDGs, 17 wichtigste Ziele der Menschheit aufgeteilt. Eine interessante Plattform und man kann hier wirklich Stadt für Stadt miteinander vergleichen. hat schon fast etwas von Quartett: “Na wieviel Wasserverbrauch pro Kopf gibt es bei dir in Berlin? Bei mir in Hintertupfingen sind es 120 Liter“ – Durch solche Messinstrumente können sich Städte genau da weiterentwickeln, wo Bedarf besteht und hierauf kommt es an. Nachhaltige Stadtplanung at its best!

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