Spielregeln für Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz Risiken

Ein Kommentar über Spielregeln für Künstliche Intelligenz von Philipp Charaoui

Der Europarat arbeitet an Spielregeln für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Besser zu spät, als nie.

Bei der Vorherrschaft über neue Technologien wird gezockt, was das Zeug hält. Big Player wie Amazon, Google, Facebook, Apple und Microsoft dominieren klar den internationalen Wettkampf. Niemand weiß, wie mächtig der Einfluss ihrer Künstlichen Intelligenzen bereits ist. Niemand weiß, wie fair der Wettkampf auf dem weltweiten Spielbrett je war – ein bisschen wie Monopoly. Die Schlossallee ist vielleicht schon aufgekauft, gewinnbringende KI richtig platziert. 

Erst jetzt setzt sich der Europarat mit den Spielregeln Künstlicher Intelligenz auseinander. Zum rechtlichen Rahmen  gibt es bisher nur eine Machbarkeits-Studie. Das Regelheft des Europarats ist also noch nicht beschlossen, sondern entwickelt  eine Richtlinie für weitere Gesetze. 

Eine Grundrichtung erkennbar

Die Grundrichtung: Verantwortliche hinter Datenkraken sollen für Fehler ihrer Software geradestehen. “Sollen” ist aber noch kein Imperativ. Bisher ist das Ganze nur eine Vorankündigung. Bisher gibt es nur firmeneigene Richtlinien und die Empfehlungen des Europarats. Es fehlt die Gehe-ins-Gefängnis-Karte in Form eines Gesetzes. In der Konferenz am 20. Januar sprach man vage von Umsetzungen Ende des Jahres 2021.

Natürlich sind die Player bereits gewissen Spielregeln unterworfen. Schließlich ist da die Menschenrechtskonvention (1953) und auch die Europäische Datenschutzkonvention (2016), die Budapest Konvention (2004). Militärische Anwendung von KI unterliegt der Genfer Konvention (1949). Achja und die Entwickler:innen haben selbst ethische Richtlinien, kein Witz. Zusammen damit, gelten erstmal diese alten Spielregeln für Künstliche Intelligenz. Damals, lang ist’s her.

“Niemand weiß, wie mächtig der Einfluss ihrer Künstlichen Intelligenzen bereits ist.”

Philipp Charaoui, Dein Europarat

Wie man an der rasanten Entwicklung von Soft- und Hardware der letzten Jahre erkennt: Es ist an der Zeit, neue Vereinbarungen zu treffen. Der Europarat bemüht sich, verschiedene Länder in Konferenzen zusammenzubringen. Die Machbarkeitsstudie soll die Mitgliedstaaten Handlungsmöglichkeiten empfehlen. Empfehlungen sind aber keine Gesetze und es ist unwahrscheinlich, dass sich alle Mitglieder daran halten. 

Die Zukunft ist ungewiss

Russland machte bereits in der Konferenz klar, dass die Entscheidung bei den  Ländern liegen sollten. Dabei geht es beispielsweise um Entscheidungen zum Einsatz von kritischer Technologien wie Facescans. Diese frühe Ablehnung wirft eine Frage auf: Wäre es nicht vielleicht sinnvoller, die Richtlinien so schnell wie möglich als verpflichtende Konvention aufzunehmen? 

Schließlich sollte die Entwicklung von KIs einem Regelwerk unterliegen. Das “Monopoly” wird nämlich mit personenbezogenen Daten von Menschen gespielt und nicht mit Papiergeld. Wann das passiert ist ungewiss. Eines ist aber klar: Je länger der Europarat versucht einzelne Mitgliedsstaaten mit Good Will zu überzeugen, desto mehr Macht sammeln Tech Giganten an und desto schwieriger wird es, die neuen Technologien zu kontrollieren. Spielregeln für Künstliche Intelligenz müssen her.

Kommentar verfassen